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Start der Kampagne Uns gibt’s nicht umsonst!

StudentInnen und AbsolventInnen protestieren gegen unfaire Praktikumsbedingungen

  

Uns gibt’s nicht umsonst - deshalb werden wir aktiv! Mit einer Reihe von Aktionen setzen sich HochschulabsolventInnen und StudentInnen in Berlin ab heute für faire Praktikumsbedingungen ein. Um die Rechte von Praktikanten zu stärken und gegen soziale Ungerechtigkeit vorzugehen, rufen wir zum Protest auf. Höhepunkt der Kampagne ist der Praktikanten-Streik am Freitag, 9. Oktober 2009, auf dem Potsdamer Platz. Denn: Wer arbeitet, darf auch streiken!

Fast 40 Prozent der deutschen Hochschulabsolventen machen in der Hoffnung auf Festeinstellung nach dem Studium mindestens ein Praktikum, so das Ergebnis einer Studie von 2007, die von der DGB Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Rund die Hälfte dieser Praktika wird nicht entlohnt. 39 Prozent aller Praktikanten jobben daher neben ihrer regulären Arbeitszeit, der größte Teil muss auf die finanzielle Unterstützung der Eltern zurückgreifen. Damit wird das Praktikum zum alleinigen Privileg derer, die aus dem Familien- oder Bekanntenkreis finanzielle Mittel erhalten. Das Prinzip Praktikum nach Studienende verfestigt somit soziale Unterschiede: Praktikant ist nur der, der er sich leisten kann.

Das unbezahlte Praktikum ist zudem ein gerne und oft genutztes Mittel der Ausbeutung von Absolventen durch Unternehmen. Das Argument des "Lernverhältnisses" ist längst überholt, Kaffee kochen war einmal: Rund 25 Prozent der Praktikanten ersetzen inzwischen einen regulären Vollzeitangestellten, so die Studie - und das meist ohne angemessene Entlohnung, ohne den Ausgleich von Überstunden und ohne den Anspruch auf gesetzlich vorgeschriebene Urlaubstage. Auch Vergünstigungen bei Krankenkassen, kulturellen Einrichtungen oder öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es meist nicht: Der Praktikant hat keinen Status.

Doch wir sind mehr wert! Wir rufen die Generation Praktikum dazu auf, unbezahlte Tätigkeiten nach dem Studium abzulehnen: Sie schadet damit nicht nur sich selbst, sondern auch denen, die sich ein Praktikum nicht leisten können oder die wegen der Flut von Umsonstarbeitern ihre Jobs verlieren.

Von Politik und Unternehmen fordern wir:- Eine klare und gerechte arbeitsrechtliche Regelung für Praktika - Ein Verbot der Substitution von Vollzeitarbeitsplätzen durch Praktika - Eine Vergütung von Praktika für Hochschulabsolventen, die den Lebensunterhalt sichert - Faire Arbeitsbedingungen für Praktikanten (schriftlicher Vertrag, Lernverhältnis, Regelungen von Arbeitszeiten, Überstunden, Urlaub, etc.) - Eine Begrenzung der Praktikumsdauer auf maximal sechs Monate

Der Praktikanten-Streik 09 wird unterstützt von verdi, GEW Berlin und fairwork e.V. Weitere Kooperationen sind angefragt bei taz - die tageszeitung und der DGB Jugend.

Im Vorfeld des Streiks am Freitag, 9. Oktober 2009 werden Guerilla- Aktionen und Podiumsdiskussionen stattfinden, über die wir weiterhin informieren. Zusätzlich wird über Kanäle des web 2.0 mobilisiert.

Organisiert wird der Praktikanten-Streik 09 von acht jungen Menschen mit umfangreichen Praktikumserfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern und Unternehmen. Derzeit nehmen sie als Team an der Praktikumsinitiative creativevillage teil. Der Streik richtet sich jedoch ausdrücklich nicht gegen diese und die an ihr beteiligten Unternehmen, sondern nutzt die im Rahmen von creativeviallge zur Verfügung gestellte Plattform einer eigenen Beilage in der taz, um auf die allgemein vorhandene Problematik um das "System Praktikum" aufmerksam zu machen.

praktistreik09.blogsport.de/

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