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GREMIENWAHL 2011 - ZWISCHENRUF DER GEW-STUDIS

Gewerkschaftlich-politische Kooperationen

Als Interessenvertretung der gewerkschaftlich organisierten Studierenden streben die GEW-Studis überall dort, wo es inhaltlich sinnvoll ist, projektbezogene Bündnisse und Zusammenarbeit mit anderen Akteur_innen an. Wir wünschen uns, mit allen hochschulpolitischen und sonstigen Hochschulgruppen, ASten, der BrandStuVe und weiteren Akteur_innen auf der Grundlage gemeinsamer Ziele und Positionen zu kooperieren. So können wir stark an einem Strang ziehen und unsere Ideen besser durchsetzen. Auf dass wir den Studierenden unserer Uni gemeinsam eine laute Stimme geben!

Lehramt
Die Ausbildung qualifzierter Lehrer_innen in Brandenburg ist eine zentrale Aufgabe des Landes und der Uni- versität Potsdam. Um im Studium tatsächlich auf den Lehrer_innenberuf vorbereitet zu sein, bedarf es einer engen Verknüpfung von Theorie und Praxis und eines hohen Anteils an (fach-)didaktischer, pädagogischer und psychologischer Ausbildung. Aus diesem Grund fordern wir eine umfassende Reform der Lehrer_innenbil- dung, die uns auf die Schule von morgen vorbereitet. Wir fordern die hochschulpolitischen Listen der Uni Potsdam auf, sich für ein Lehramtsstudium einzusetzen, dass auf die Herausforderungen der schulischen Arbeit vorbereitet. Den politischen Entscheidungen für Inklusion, Schulautonomie, Kompetenzorientierung, De- mokratiepädagogik und Ganztagsschule muss Rechnung getragen werden. Sie erzwingen einen grundsätzlichen Wandel der Lehrerinnenbildung.

Studiengebühren und -konten, versteckte Gebühren und Kursgebühren
Wir fordern ein gebührenfreies Studium, um den freien Zugang zu Bildung sicherzustellen. Dies schließt eine klare Absage an Studienkontenmodelle - wie sie aktuell diskutiert werden - selbstverständlich mit ein. Darüber hinaus bedeutet es, dass wir Kursgebühren z.B. für befähigende Sprachkurse als Missstand betrachten, der angegangen werden sollte. Denn nur, wenn es allen ermöglicht wird an Bildung teilzuhaben, kann die Uni Potsdam mit Ihren Studierenden und Dozierenden ihre vollen Potentiale in Sachen Bildung und Wissenschaft ausschöpfen.

Ausfnanzierung
Das Land Brandenburg befndet sich im bundesweiten Vergleich seit Jahren unter den Bundesländern mit den geringsten Ausgaben für Hochschulbildung. Trotz eines Koalitionsvertrages, der explizit die Beibehaltung der Ausgaben für Hochschulbildung vorsieht, wurden zuerst einige Millionen Rücklagen der Hochschulen einbe- halten und nun wird über Einsparungen von 27 Millionen Euro in diesem Bereich diskutiert. Wir stellen uns diesen Sparplänen klar entgegen - die seit Jahren prekäre Situation von Hochschulen, Lehrenden und Studie- renden darf nicht noch weiter verschärft werden! Stattdessen müssen die Ausgaben für den Hochschulbereich erhöht werden, auch um der erwartbar höheren Nachfrage von Studienanfänger_innen gerecht zu werden.

Tarifvertrag und Personalrat für studentische Beschäftigte
Wir fordern, dass die studentisch Beschäftigten an Hochschulen und Forschungseinrichtungen tarifvertraglich geschützt und durch einen eigenen Personalrat in die Arbeitnehmer_innenvertretung eingebunden werden. Dabei sollte sich mindestens am „Berliner Modell“ orientiert werden. Konkret fordern wir daher u. a. 11 Euro Stundenlohn, eine Vertragslaufzeit von i. d. R. 4 Semestern (für eine bessere Planbarkeit), Weihnachts- und Ur- laubsgeld, Einhaltung der Arbeitszeiten und öffentliche Ausschreibungen. Etwa 1100 studentische Beschäftigte (inkl. wissenschaftliche Hilfskräfte) sind allein an der Uni Potsdam mit der Vorbereitung und Durchführung der Lehrveranstaltungen, Unterstützung der Forschung und Verwaltung beschäftigt. Vom Kopieren über Laborarbeiten zu eigenen Tutorien reichen die Tätigkeiten, die breit gefächer- ter kaum sein können. Die umgangssprachliche Bezeichnung „Hilfskraft“ wird dabei der Relevanz und häufg auch Eigenständigkeit der Arbeit in keinster Weise gerecht. Studentische Beschäftigte leisten mehr als nur „Hilfsarbeiten“, sie sind in gewisser Weise unterstützend in Lehre und Forschung tätig – ohne sie würde der Hochschulbetrieb zusammenbrechen. Daher sind sie als „Beschäftigte“ anzusehen. Die gesetzlichen Mindeststandards und die vom Land Brandenburg als Arbeitgeber einseitig festgelegten Re- gelungen nach der Richtlinie der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), die nicht ausreichende und uneinheitliche Höchststundenlöhne und den Ausschluss von Jahressonderzahlungen festlegt, sind beileibe nicht ausreichend. Ein fair ausgehandelter Tarifvertrag muss her. Tarifverträge und Betriebsräte im Wirtschaftssektor zu fordern, aber im öffentlichen Dienst zu verweigern, wäre ein Armutszeugnis.

Praktika
Wir fordern bundesweit faire Praktika nach den „Leitlinien für ein faires Praktikum“ der DGB-Jugend. In vie- len Studienordnungen sind Praktika vorgeschrieben oder müssen sogar im Vorfeld als Vorpraktikum abgeleistet werden. Missbrauch und Ausbeutung lassen sich unter dem Label Praktikum leicht betreiben. Die Vertretung der Studierendenschaft der Uni Potsdam soll den Kontakt mit brandenburgischen Arbeitgeber_innen suchen und gleichzeitig sowohl die Fachschaften als auch die Verantwortlichen in den universitären Einrichtungen dafür sensibilisieren, ausschließlich faire Praktika zu bewerben.

Sozialinfo
Wir erhoffen uns weiterhin die Unterstützung des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Potsdam für „das Sozialinfo“ der GEW Studis. Für viele von uns beginnt mit dem Studium der Ernst des Lebens und die Sorge um Studienfnanzierung und der Kampf durch den Behördendschungel sind nur schwer allein zu bewältigen. Wir sehen die Verantwortung, Studierenden an Potsdamer Hochschulen über arbeits- und sozialrechtliche Fragen, Beratungsangebote und Sozialleistungen frühzeitig und ausführlich zu informieren.

Lehrbeauftragte/Mittelbau
Wir setzen uns für ein breites, solidarisches Bündnis aller im Hochschulbereich politischer Akteur_Innen ein, dass sich für die Entprekarisierung des wissenschaftlichen Mittelbaus und für eine faire Förderung von Nach- wuchswissenschaftler_innen - nach den Forderungen des "Templiner Manifest" der GEW - stark macht. In den vergangenen 10-15 Jahren etablierte sich an deutschen Hochschulen eine markt- statt Wissen- schaftsadäquate Wettbewerbssituation, die zu einer rapiden Prekarisierung des wissenschaftlichen Mittelbaus führte. Dieser stemmt den Großteil der akademischen Lehre. Wir fordern im Rahmen einer tatsächlichen Ausfnanzierung den sofortigen Stop des Missbrauchs der Personalkategorie „Lehrbeauftragte“, faire Arbeits- bedingungen für Nachwuchswissenschaftler_innen, unbefristete Arbeitsverträge und eine massive Senkung der Arbeitsbelastung durch eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels.

Zwangsexmatrikulation
Aktuell erhält ein Großteil der Studierenden in Brandenburg keine Studienfnanzierung durch BAFöG. Weiterhin können Hochschulen wegen Unterfnanzierung und folgender Überfüllung ihrer Pficht zur Ermöglichung eines Studiums in Regelstudienzeit kaum nachkommen. Dies ist etwa an den durchschnittlichen Studienzeiten in Magister-, Diplom, Bachelor- und Masterstudiengängen abzulesen, sowie an den Absolvent_innen- quoten. Unter diesen Bedingungen ist die Festlegung einer maximalen Studiendauer mit folgender Zwangsexmatrikulation - wie in Brandenburg mit der Gesetzesnovelle vom Dezember 2008 geschehen - eine unverantwortliche Individualisierung gesellschaftlich verursachter Probleme. Die Konsequenzen werden vor allem Studierende ohne ausreichende fnanzielle Absicherung zu tragen haben. Die Zwangsexmatrikulation ist darum auch aus sozialpolitischen Gründen abzulehnen und endlich rückgängig zu machen. Einem offenen Rechtsbruch, wie der Exmatrikulation von tausenden Magister- und DiplomStudierenden an der Universität Potsdam, für die diese Regelung noch gar nicht greift, muss sich die Landespolitik mit aller ge- gebenen Klarheit entgegenstellen. Wir werden die Betroffenen rechtlich unterstützen und hoffen auf Solidarität der studentischen und hoch- schulpolitischen Akteur_innen.

Teilzeitstudium
Die Einführung des Teilzeitstudiums sowie der Verpfichtung der Hochschulen dazu war ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun müssen konkrete Fragen der Umsetzung zusammen mit den Betroffenen geklärt werden. Wir rufen alle hochschulpolitischen Akteur_innen auf, sich für möglichst fexible Regelungen einzusetzen und hierdurch den Studierenden bspw. die Wahl zur Beibehaltung oder bewussten Aufgabe des Werkstudieren- denstatus im Teilzeitstudium zu ermöglichen.

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