studiberatung-potsdam.de
Startseite
Jobberatung
Jobben & Recht
Dein Geld
Praktika
GEW & Studium
KompetenzGEWinn
Publikationen
Termine
Newsletter
Mitglied werden
Students at work!
Banner: dgbjugend
Banner: Sozialinfo 2011
Banner: boeckler
Banner: nazis blockieren
Banner: praktika_bewertung
Banner: aenderdas
Banner: Intelligenzija Potsdam
Banner: Templiner Manifest
Banner: Job Chance Berlin
Banner: LohnSpiegel
Banner: kuze
Banner: ABS
Banner: tarif.ini

Bildungsproteste in Potsdam

Am 17.11.2011 fand in Potsdam auf die Bassinplatz eine Kundgebung gegen die geplanten Kürzungen der Landesregierung im Bildungsbereich statt. Der LASS war mit von der Partie und hat zum Thema "Lehrerinnenbildung" gesprochen.

Susi vom Landesausschuss der Studentinnen und Studenten der GEW und Lehramtsstudentin im ersten Mastersemester an der Uni Potsdam:

Ich glaube, dass Veränderungen unsere Gesellschaft prägen und immer neue und größere Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Thema Bildung auf uns zukommen. Diese werden paradoxerweise von immer mehr Kürzungen und zunehmender Oberflächlichkeit von Reformen begleitet. Schule muss sich jedoch grundlegend verändern, um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Wir wissen nur eins sicher: die Zukunft ist unsicher – und wir müssen lernen, mit Veränderungen umzugehen und uns zu beteiligen.

In der Schule von morgen sollen Schülerinnen auf die Beteiligung in einer demokratischen Gesellschaft vorbereitet werden. Gleichzeitig erfahren wir als Lehramtsstudierende in etlichen Vorlesungen selbst keine Möglichkeit uns zu beteiligen - wie sollen wir dann Beteiligung in der Schule ermöglichen?! Ich wünsche mir, dass Demokratie nicht nur als Herrschaftsform verstanden wird, sondern auch als Lebensform in alle Ausbildungseinrichtungen eingeht.

Wir wollen eine Schule von Morgen, die alle Schülerinnen mitnimmt und individuell fördert. Andererseits erfahren wir in der Universität selbst eine Massenabfertigung in überfüllten Lehrveranstaltungen. Wir möchten, dass Schülerinnen selbstbestimmt lernen, ihren eigenen Rhythmus finden und Verantwortung übernehmen - für sich und die Gesellschaft. Andererseits ziehen sich stupide Klausuren und Bullimielernen durch unsere gesamte Ausbildung. Das Prinzip des Nürnberger Trichters hält sich resistent gegen alle neuen Erkenntnisse in den meisten Köpfen unserer Lehrenden. Selbstbestimmtes Lernen findet bisher weder an Schulen noch an Hochschulen seinen Platz.

Die Landesregierung strebt nun die Abschaffung der Sonderschulen und zunehmende Inklusion an. Dabei spielt Inklusion im Studium nur eine marginale Rolle. Der entsprechende Lehrstuhl an der Uni Potsdam ist seit Jahren unterbesetzt, die dauerhafte Berufung einer Professur wird verschleppt. Wir begrüßen die Bestrebungen von Bundes- und Landesregierung zur Inklusion. Inklusion kann aber nur erfolgreich umgesetzt werden, wenn Schülerinnen, Lehramtsstudierende und Lehrerinnen auf diese Veränderung sinnvoll vorbereitet und in den Veränderungsprozess eingebunden werden. Zudem dürfen die Grenzen von Inklusion nicht entlang der Schulformen verlaufen. In der Schule von Morgen lernen alle Schülerinnen gemeinsam - in einer Schule für alle, die nicht willkürlich nach Noten, sozialem Stand oder einer vermeintlichen Behinderung selektiert. Dennoch werden Lehrerinnen immer noch nach Schulformen ausgebildet und gezwungen, das dreigliedrige Schulsystem zu reproduzieren. Das wird den derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen von Schule und Unterricht in keinster Weise gerecht.

In Zukunft werden wir darauf angewiesen sein, dass wir im Team lehren. In der Schule von Morgen sind Lehrerinnen keine Einzelkämpferinnen mehr, sondern beraten sich und sind gemeinsam stark im Sinne der Schülerinnen. Gleichzeitig lehrt uns die Universität die Jagd nach Leistungspunkten und eine Ellenbogenmentalität, die kooperatives Lernen kaum möglich macht.

Die Schule der Zukunft ist eine Ganztagsschule, in der Schülerinnen und Lehrerinnen gemeinsam lernen. Bereits jetzt sind 50% aller Schulen in Deutschland Ganztagsschulen. Doch was bringt diese Veränderung mit sich? Was bedeutet sie für den Lehrerinnenberuf?

Wir können die Zukunft nicht gestalten, wenn wir im Studium nicht auf Schule von morgen vorbereitet werden. Wenn wir selbst alles eingetrichtert bekommen, wo sollen wir die Kreativität und die Kraft hernehmen, Schule zu verändern?

Wir wollen nicht Lehrerinnen werden, weil unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt so rosig sind, weil uns ein vermeintlich gutes Gehalt und viele Ferien winken. Doch wenn wir einfach nur aus Leidenschaft Lehrerinnen sein möchten, weil wir Kinder und Jugendliche unterstützen, begeistern und fördern wollen, sind wir bei der Uni Potsdam derzeit noch an der falschen Adresse. Das muss geändert werden!

Wir fordern die Universität Potsdam und die Landesregierung auf, die Beteiligung aller Betroffenen - Schülerinnen, Lehrerinnen, Erzieherinnen, Dozierende und Studierende - als Chance für Veränderungsprozesse wahrzunehmen. Wir haben etwas zu sagen - und wenn wir in den Gremien der Uni und den Ausschüssen der Ministerien nicht gehört werden, tun wir es laut - wie hier und heute!

Wir fordern eine Ausbildung, die den Muff des preußischen Drills hinter sich lässt, ihr Bild von Schule als Frontalbeschallungsinstitution ablegt und Beteiligung, Reflexion und Selbstbestimmung ermöglicht!

Wir fordern eine deutliche Stärkung der professionsbezogenen Ausbildung, die mindestens 2/3 unseres Studiums umfassen und uns tatsächlich auf die Schule vorbereiten soll.

Wir fordern Praxisphasen, die mit fundierten und modernen Lerntheorien verknüpft und gut betreut sind.

Wir fordern selbstbestimmtes Lernen mit Raum zur kritischen Reflexion und zur selbsttätigen Auseinandersetzung.

Wir fordern die Abschaffung von Bachelor und Master und Wiedereinführung des Staatsexamens.

Wir fordern die Bezahlung und Neuorganisation des Praxissemesters.

Wir fordern die Demokratisierung aller Ausbildungseinrichtungen.

Wir fordern die Abkehr vom Frontalunterricht - in Schule und Hochschule!

Im Sommer vor zwei Jahren standen wir schon einmal hier - genau auf diesem Platz. Unsere Forderungen haben sich nicht geändert. Aber mit bloßen Versprechungen wollen wir uns nicht mehr zufrieden geben. Wir fordern Veränderung – nicht morgen, sondern hier und jetzt!

  • Bilder und ein Kommentar der GEW Brandenburg finden sich hier.
Seite weiterempfehlen Druckversion Startseite Kontakt Impressum