9,5 Thesen zur Bildungspolitik an der Viadrina angeschlagen
Ende der BildungsstreiKwochen soll Anfang eines konstruktiven BildungsstreiTs sein!
Gestern, am 10. Dezember, hat die AG Bildungsstreik der Viadrina ihre 9,5 Thesen zur Bildungspolitik an die Haupttore der Universität angeschlagen. Nach zwei Wochen des Ausharrens in bildungspolitischer Eiszeit im Zelt vor dem Uni-Hauptgebäude fassen die Protestierenden die Ergebnisse von mehreren Diskussionsrunden zusammen und zeigen auf: Die Viadrina ist keineswegs so paradiesisch wie oftmals behauptet! Die Forderungen wenden sich an Hochschulleitung, Land und Bund gleichermaßen.
"Wir fordern, dass die begonnene Reform am Sprachenzentrum zu Ende geführt wird. Leider ist nicht abzusehen, wann die prekären Beschäftigungsverhältnisse dort abgeschafft und versteckte Studiengebühren für Sprachkurse anderweitig finanziert werden. Dafür müssen alle an einen Tisch, damit das Land in die Pflicht genommen werden kann", sagte Dmitri Heerdegen von der AG Bildungsstreik.
Sabine Scheuring, Abgeordnete des Studierendenparlaments berichtet, dass die Masterzulassungsbeschränkungen für den Studiengang International Business Administration abgeschafft wurden und fragt: "Warum sollten die Argumente bei diesem Studiengang nicht auch für andere Studiengänge gelten? Deshalb wollen wir, dass die Fakultäten das Thema "Masterzulassungen" angehen. Ein bestandener Bachelor berechtigt ohne weitere Einschränkungen zum Master! Die starre Mindestnote von 2,5 im Bachelor ist willkürlich und schränkt das Grundrecht auf Bildung ein. Und auch die Zwangsexmatrikulationen, die in den Wirtschaftswissenschaften an der Tagesordnung sind, müssen abgeschafft werden."
"Herr Pleuger und die Universitätsleitung forcieren eine Bewerbung der Viadrina bei der Exzellenzinitiative. Wir haben uns informiert, wie es an solchen Unis aussieht, beispielweise an der RWTH Aachen. Die Lehre leidet Allgemeiner Studentischer Ausschuss der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) deutlich und die Forschung wird kaum besser, stattdessen herrschen unnötige Bürokratie und Verteilungskampf und für Studierende gibt es keine Projekte. Auch eine Aufspaltung in wenige Eliteunis und Lehrbetriebe für die breite Masse wollen wir nicht! Daher fordern wir einen Dialog über die Uni- Gremien hinaus und werden unsere Argumente und Bedenken offen kundtun.", erzählt Henriette Jankow von der AG BIldungsstreik.
Aber auch im größeren Rahmen muss sich etwas tun: Die Bolognareform sollte durch Standardisierung mehr Mobilität schaffen. Was ist aber passiert? "Dadurch, dass die Universitäten immer mehr in die Rolle eines Unternehmens gezwängt werden, mussten sie für den "Markt" einzigartige Produkte schaffen, um zu bestehen. Für ein und denselben Master werden hier in Deutschland ganz unterschiedliche Voraussetzungen verlangt. So entsteht weniger statt mehr Mobilität!", konstatiert Helene Könau, Studentin der Kulturwissenschaften.
"Auch ist es völlig unsinnig, die Hochschulen in einen Wettbewerb untereinander zu stellen. Bildung ist ein Grundrecht und kein Luxus für Privilegierte! Völlig absurd wird es aber dann, wenn bei diesem Wettbewerb die Gewinner und Verlierer schon vorher feststehen. Der Konkurrenzkampf führt auch nicht dazu, dass die Fördermittel insgesamt erhöht, sondern lediglich anders verteilt werden. Jene Hochschulen, die seit jeher schon gut dastanden, haben auch weiter die besseren Chancen - alle anderen fallen hinten herunter" meint Markus Nesselrodt, Student der Kultur und Geschichte Mittel- und Osteuropas.
Um eine nachhaltige Auseinandersetzung um die Probleme zu erreichen, wird die AG Bildungsstreik weiter das Gespräch suchen und für eine Behebung der bestehenden Missstände kämpfen. Auch wird der Bildungsgipfel von Frau Schavan Anfang April kritisch beäugt werden, damit nicht nur Sonntagsreden geschwungen, sondern tatsächliche Verbesserungen umgesetzt werden.














