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Stipendien/Stiftungen

Das Stipendium hat den Ruf, nur für Streber oder Leute mit Verbindungen interessant zu sein. Das stimmt nicht. Zwar werden nur zwei Prozent aller Studierenden so gefördert, doch warum solltest du nicht dazugehören?

Es gibt neben dem BAföG und der "Förderung von Zuhause" noch eine weitere Möglichkeit, als Studierende/r ohne Einkommensprobleme in ihrem/seinem Studium voranzukommen. So gibt das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft jährlich viele Millionen Euro für überregionale Begabtenförderungswerke aus. Davon profitierten allerdings nur wenige Studierende. Stipendien stellen sich somit als äußerst elitäre und unberechenbare Förderungsart dar. Kämen alle durch diverse Stipendienfonds zur Verfügung gestellten Gelder der allgemeinen Ausbildungsförderung (BAföG) zugute, würde sich deren Situation wohl völlig anders darstellen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Stiftungen bieten in der Regel überdurchschnittlich begabten oder erfolgreichen Studierenden die Möglichkeit, ihr Studium mit einem Stipendium zu vertiefen und zu intensivieren. Neben der Begabtenförderung gibt es noch Stiftungen mit sozialem oder christlichem Hintergrund.

Wichtig: Wer ein Stipendium einer Stiftung bekommt, hat keinen Anspruch auf BAföG.

Stipendien beantragen

Ein erster wichtiger Schritt in Richtung des Fernziels „Erhalt eines Stipendiums“ ist also die Kontaktaufnahme zu möglichst vielen Stiftungen. Insbesondere die parteinahen und staatlichen Stiftungen sind sicherlich obligatorische Adressen für deine Anträge. So wird auch die unzulängliche soziale Absicherung von Studierenden wirkungsvoll dokumentiert. Informationen zu Förderung und Bewerbung findet ihr auf den Internetseiten der Stiftungen. Die meisten Stiftungen haben zwar Formblätter zur Bewerbung, durch die alle relevanten Fakten erfragt werden, jedoch sollte darüber hinaus darauf geachtet werden, dass folgende „Mindestanforderungen“ auch wirklich erfüllt sind:

  • Persönliche Daten sowie alle Fakten bezüglich des Studiums sollten aufgeführt sein. Dazu gehören die Studienfächer, das Studienziel, die Semesteranzahl ebenso wie eventuell schon abgelegte Prüfungen.
  • Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden. Wer bereits ein Stipendium oder Ausbildungsförderung erhält, hat es hier leicht, da Euch dies als bedürftig ausweist. Andere müssen unter Umständen nachweisen, dass weder sie selbst noch die Eltern die finanziellen Belastungen eines Studiums tragen können.
  • Die Förderungswürdigkeit muss ebenfalls belegt werden. Hier gelten als Nachweis eine Leistungsübersicht oder die Scheine der letzten Semester. Es sollte eine kurze Übersicht über besuchte Seminare, absolvierte Referate und Klausuren beigelegt werden. Allerdings können auch außeruniversitäre Aktivitäten (politisches oder soziales Engagement) von Bedeutung sein und sollten somit erwähnt werden.
  • Neben diesen Fakten sollte erläutert werden, warum man sich ausgerechnet für dieses Stipendium bewirbt; die Nähe zur jeweiligen Stiftung sollte in jedem Fall dargelegt werden. Im Idealfall kannst du der jeweiligen Stiftung glaubhaft machen, warum sie die einzig für dich in Frage kommende ist (und umgekehrt). Bei einigen Stiftungen kann man sich nicht selbst bewerben, da ein Vorschlag beispielsweise durch eine/n ProfessorIn erfolgen muss. In diesem Fall kannst du unter Umständen ein bisschen nachhelfen, nachdem du dich über die zuständige Vertrauensperson der betreffenden Stiftung informiert hast.

Voraussichtlich zum Wintersemester 2010/11 startet das nationale Stipendienprogramm des Bundes. Im Rahmen dieses Programms vergeben die Hochschulen Stipendien in Höhe von 300 Euro monatlich, die zur Hälfte von der Wirtschaft finanziert werden sollen. Bei der Auswahl der StipendiatInnen sollen Studienleistungen, gesellschaftliches Engagement und persönlicher Werdegang berücksichtigt werden.

Auflistung einiger wesentlicher Stipendiengeber

Die Kriterien für die Vergabe von Stipendien der einzelnen Institutionen sind abhängig von den Studienleistungen der Studierenden und der politischen und/oder konfessionellen Ausrichtung der Stiftungen. Lass dich von den hier plakativ aufgelisteten Anforderungsprofilen nicht abschrecken. Bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich meist als Phrasen, die letztlich doch eine sehr individuelle Bewerbung ermöglichen.

Politische und parteinahe Stiftungen

  • Hans-Böckler-Stiftung (DGB), www.boeckler.de: Materielle und ideelle Förderung engagierter und begabter Studierender aus Kreisen abhängig Beschäftigter oder finanziell Benachteiligter durch Vergabe von Studienbeihilfen, um damit einen Beitrag zur Chancengleichheit im Bildungswesen zu leisten und zugleich die Öffnung der Hochschulen für Berufserfahrene zu fördern. Voraussetzungen sind gewerkschaftliches bzw. gesellschaftspolitisches Engagement sowie die persönliche und fachliche Qualifikation für das gewählte Studium.
  • Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), www.fes.de: Materielle und ideelle Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses unter dem Schwerpunkt der Überwindung sozial, politisch oder religiös bedingter Bildungsbarrieren, vorrangig sollen dabei begabte und gesellschaftspolitisch aufgeschlossene Frauen gefördert werden. Eignungsvoraussetzungen sind demnach überdurchschnittliche Qualifikation, charakterliche Reife und gesellschafts-politisches Engagement.
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung (DIE LINKE), www.rosalux.de: Förderung von Studierenden, die sich durch hohe fachliche Leistungen und politisches und gesellschaftliches Engagement auszeichnen. Die Stiftung ist den Zielen und Werten linker Strömungen und Bewegungen, den Prinzipien von Öffentlichkeit und eines demokratischen Sozialismus verpflichtet, der in der freien Entwicklung jedes Einzelnen und der umfassenden Durchsetzung seiner politischen und sozialen Rechte die Bedingungen der freien Entwicklung aller sieht. Die Stiftung betrachtet die Förderung von Frauen als vorrangige Aufgabe.
  • Heinrich-Böll-Stiftung (Bündnis 90/Grüne), www.boell.de: Förderung begabter und gesellschaftspolitisch motivierter Studierender. Besondere Förderung von Frauen, um dazu beizutragen, geschlechtsspezifische Benachteiligungen zu kompensieren und die Unterrepräsentanz von Frauen in akademischen Berufen zu verringern. Mitwirkung an einer Gesellschaftspolitik, die auf ökologischen, sozialen und gewaltfreien Grundsätzen basiert und ein freies, unabhängiges Verhältnis der Geschlechter zum Ziel hat. Eignungskriterien sind unter anderem die fachliche und persönliche Qualifikation für das gewählte Studium, gesellschaftspolitisches Engagement sowie eine gesellschafts- und wissenschaftskritische Einstellung der BewerberIn.
  • Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU), www.kas.de: Förderung deutscher und ausländischer (vorwiegend aus Entwicklungsländern) Studierender und Graduierter, die aufgrund hoher Begabung, Persönlichkeit (charakterlicher Reife), gesellschaftlichen/politischen Verantwortungsbewusstseins und sozialen Engagements geeignet zu sein scheinen.
  • Friedrich-Naumann-Stiftung (FDP), www.freiheit.org: Förderung überdurchschnittlich begabter, deutscher und ausländischer Studierender und Promovierender, die neben fachlichen Leistungen auch gesellschaftspolitisches Engagement "aus liberaler Grundhaltung" zeigen. Die Teilnahme an Seminaren ist verpflichtend.
  • Hans-Seidel-Stiftung (CSU), www.hss.de: Förderung eines persönlich und wissenschaftlich hochqualifizierten Akademikernachwuchses, der befähigt und bereit ist, kritisch an der Ausgestaltung der Gesellschaft im Rahmen der demokratischen Grundordnung mitzuwirken. Eignungsvoraussetzungen sind überdurchschnittliche Leistungen und aktives gesellschaftspolitisches Engagement. Die Teilnahme an Seminaren ist verpflichtend.

Kirchliche und konfessionelle Stiftungen

  • Evangelisches Studienwerk Villigst (Studienwerk der Evangelischen Kirche Deutschlands), www.evstudienwerk.de: Förderungsvoraussetzungen sind die evangelische Konfessionszugehörigkeit, besondere Studierfähigkeit, Aufgeschlossenheit für Leben und Aufgaben der Kirche, Bereitschaft zu Problembewusstem gesellschaftlichem Engagement. Seminarteilnahme und Semesterberichte sind verpflichtend.
  • Cusanuswerk Bischöfliche Studienförderungen (Studienwerk der deutschen Bischofskonferenz), www.cusanuswerk.de: Förderungsvoraussetzungen sind eine katholische Konfessionszugehörigkeit, herausragende Leistungen, Engagement für die Belange des Gemeinwohls und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit christlichem Glauben. Bewerbungen sind ab dem dritten Fachsemester möglich, Seminarteilnahme ist verpflichtend.

Studium im Ausland

  • Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD), www.daad.de: örderung für die Aufnahme eines Studiums, Praktikums oder Sprachkurses im europäischen Ausland, Voraussetzung: gute Sprachkenntnisse, wichtig: auf langen Vorlauf und Fristen achten!

Für ausländische Studierende

  • Otto-Benecke-Stiftung, www.obs-ev.de: Förderung von SpätaussiedlerInnen, Asylberechtigten und Kontingentflüchtlingen bis zum Alter von 30 Jahren, die hier ein Hochschulstudium aufnehmen wollen. Förderung von ausgesiedelten HochschulabsolventInnen, deren berufliche Eingliederung Ergänzungsstudien oder studienergänzende Kurse erfordert.

Diverse

  • Studienstiftung des deutschen Volkes, www.studienstiftung.de: Förderung von Studierenden mit deutscher Staatsangehörigkeit an Universitäten, Technischen Hochschulen, Fachhochschulen, Kunst- und Musikhochschulen, deren hohe wissenschaftliche oder künstlerische Begabung und deren Persönlichkeit besondere Leistungen im Dienst der Allgemeinheit erwarten lassen. Ausländische Studierende können unter besonderen Voraussetzungen ebenfalls gefördert werden. Vorschlag in der Regel durch DozentInnen/LehrerInnen.

Neben den aufgeführten Stipendien gibt es weitere konfessionell gebundene, private und aus der Wirtschaft kommende Förderinstitutionen. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl von teilweise ganz speziellen StifterInnen und Organisationen, die teilweise auch nur regional und in Einzelfällen fördern. Hier ist detektivischer Spürsinn gefragt. Vielleicht hilft Euch ja das folgende Buch, das Ihr übrigens auch in der BAföG- und Sozialberatung des Uni-AStA einsehen könnt, auf der Suche nach dem richtigen Stipendium weiter: Deutsches Studentenwerk: Förderungsmöglichkeiten für Studierende, K. H. Bock-Verlag 2003, ISBN 3-87066-883-0 oder schaut euch auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter www.stipendienlotse.de, von Studis-Online unter www.studis-online.de/StudInfo/stipendien.php und der Uni Potsdam unter www.uni-potsdam.de/begabtenfoerderung einmal genauer um.

Deutschlandstipendium

Ab dem Sommersemester 2011 soll ein neues Stipendienprogramm der Bundesregierung zusätzlich zu den bestehenden Förderungen starten. Bis zu 10.000 Studierende erhalten dann monatliche Stipendien in Höhe von 300 Euro - wenn sich genügend Geldgeber finden. Wer das Bewerbungsverfahren erfolgreich durchläuft, erhält 300 Euro pro Monat - im Idealfall während der gesamten Regelstudienzeit.

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