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Aktionsprogramm für die Reform der Lehrer/innenbildung

Der GEW-Gewerkschaftstag hat Positionen zur Reform der LehrerInnenbildung beschlossen.

1. Die GEW führt einen breit angelegten Diskurs über das professionelle Selbstverständnis der Lehrerinnen und Lehrer. Es soll den veränderten gesellschaftlichen Erwartungen an die Schule und an die in ihnen arbeitenden Pädagoginnen und Pädagogen gerecht werden. Damit soll auch Plänen entgegengewirkt werden, deren Ausbildung und Tätigkeit zu entprofessionalisieren.

2. Die GEW erwartet transparente Orientierungsdaten über die künftige Angebots- und Bedarfsentwicklung auf dem Arbeitsmarkt Schule. Sie sollen die Planbarkeit von Berufs- und Studienwahl erleichtern, motivierten und qualifizierten Studierenden realistische berufliche Perspektiven aufzeigen und sie so für den LehrerInnenberuf gewinnen.

3. Die Studierenden müssen bessere selbsterfahrungs- und Selbsteinschätzungsmöglichkeiten bezogen auf ihre Ausbildungs- und Berufserwartungen, die professionellen Anforderungen zu erwerbenden Kompetenzen erhalten. Die GEW fordert daher die Hochschulen auf, entsprechende Angebote (z.B. projektorientierte Kleingruppenarbeit, wissenschaftlich reflektierte Praktika, orientiertende Beratungsangebote etc.) schon in der Anfangsphase des Studiums anzubieten.

4. Die GEW ist der Auffassung, dass weder ein sechssemestriges Bachelorstudium noch die Kombination eines rein fachwissenschaftlichen sechssemestrigen Bachelorstudiums mit einem zwei-semestrigen Masterstudium, in dem die bildungs- und berufswissenschaftlichen Studienanteile nachgeholt werden, den pädagogischen Anforderungen der Schule gerecht wird. Die GEW plädiert deswegen für ein grundständiges, mindestens achtsemestriges Studium für alle lehrerbildenden Ausbildungsgänge.

5. Die GEW unterstützt die Bemühungen, die bildungswissenschaftlichen Anteile an der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen quantitativ und qualitativ aus-zubauen. Die von der KMK beschlossenen Standards für die Bildungswissenschaften sind ein sinnvoller Ansatz. Sie müssen um entsprechende Aussagen zur Fachdidaktik und zu den Fachwissenschaften ergänzt und mit den Lehrenden und den sie vertretenden Gewerkschaften und Verbänden, genauso wie mit den Akkreditierungsagenturen, abgestimmt werden.

6. Die GEW teilt die Auffassung des OECD-Gutachtens, das die starke Fragmentierung des deutschen Schulsystems und die damit verbundene Zersplitterung der Lehrerausbildung als Hauptschwachpunkte für ein gemeinsames Berufsverständnis und die Beschäftigung von LehrerInnen ansieht. Sie fordert die KMK auf, die Ausbildung für die unterschiedlichen Lehrämter an einem gemeinsamen Kerncurriculim zu orientieren.

7. Die GEW fordert eine verbindliche Berufseinstiegsphase, um den beruflichen Einstieg systematisch zu verbessern. Unterschiedliche Formen ihrer Gestaltung sollen durch entsprechende Experimentierklauseln ermöglicht werden.

8. Die GEW fordert die zuständigen Landesministerien auf, Konzepte für den berufsbegleitenden Erhalt und den Ausbau der pädagogischen und sozialen Kompetenzen der LehrerInnen vorzulegen. Durch ein systematisches und Arbeitgeber finanziertes Angebot von Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen sollen LehrerInnen die eigenen Kompetenzen erhalten und sich auf neue Anforderun-gen vorbereiten können. Fort- und Weiterbildung sind Bestandteil der LehrerInnenarbeitszeit. Die Institution Schule soll auch so zur lernenden Organisation werden.

9. Die Qualitätssicherung gehört zum professionellen Selbstverständnis von Lehrerinnen und Lehrern. Die GEW ist bereit, sich an der Evaluation der Lehre in Hochschulen und Schulen zu beteiligen, wenn es dabei um eine inhaltliche Verbesserung des Lehrens und Lernens geht. Der Gewerkschaftstag fordert den Hauptvorstand auf, die gewerkschaftliche Beteiligung bei der Akkreditierung von Studiengängen auch im Bereich der LehrerInnenbildung zu sichern.

10. Um die spezifischen Belange der LehrerInnenbildung und ihre Qualität sicherzustellen, sind an den Hochschulen wissenschaftliche Zentren für LehrerInnenbildung einzurichten. Sie sind mit den erforderlichen Entscheidungskompetenzen auszustatten.

11. Die GEW fordert die KMK und die zuständigen Landesministerien auf, zusammen mit den Lehrerorganisationen einen "Nationalen Rat zur LehrerInnenpolitik" einzurichten. Er soll ein länderübergreifendes Gesamtkonzept für die Werbung, berufliche Weiterentwicklung und die Beschäftigung qualifizierter LehrerInnen entwickeln.

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