Soziale, kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen für Studierende in Brandenburg
Eine große Anfrage der Linkspartei.PDS im brandenburgischen Landtag zur sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Familien, Studierenden und AbsolventInnen in Brandenburg
"Gleichberechtigte Teilhabe an Hochschulbildung liegt noch in ferner Zukunft" erklärte Peer Jürgens, Mitglied der Fraktion der Linkspartei.PDS im brandenburgischen Landtag zu den Ergebnissen der Großen Anfrage. Über die Aufnahme und den Abschluss eines Studium in Brandenburg entscheidet leider nicht die Begabung, sondern der Geldbeutel. Damit hat die Antwort der Landesregierung die Befürchtungen bestätigt. Macht sich die soziale Auslese in Kita und Schule kaum bemerkbar, so wirkt der sozialer Status schon bei der Entscheidung pro Studium als Hürde. Laut einer Studie der Hochschulinformations-System GmbH von 2003 ist diese Auslese "in Brandenburg deutlich stärker ausgeprägt als in den neuen Ländern insgesamt."
Die Antwort der Landesregierung zeigt deutlich, dass es erhebliche Defizite hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe an Hochschulbildung gibt. Ministerin Wanka muss die richtigen Schlussfolgerungen daraus ableiten. Ein "weiter so" darf es nicht geben!
Lediglich 11 Prozent der Studierenden kommen aus der sozial benachteiligten Schicht, dieser Wert ist seit Jahren konstant schlecht. Weitere Daten unterstützen die Tendenz zur sozialen Schieflage. So sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Aufnahme eines Studiums mit dem Bildungsgrad der Eltern. Während sich der Anteil der Studierenden von "Abitur-Eltern" deutlich auf 63 Prozent erhöht hat, sank der Anteil von Studierenden mit "Hauptschul-Abschluss-Eltern" auf 6 Prozent.
Ebenso hat die Erwerbstätigkeit der Eltern einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Aufnahme eines Studiums. Die Studierenden, deren Eltern beide erwerbstätig sind, stellen über die Hälfte am Gesamtanteil. Ist nur ein Elternteil erwerbstätig, sinkt dieser Anteil auf 1/3, sind beide ohne Arbeit, liegt der Anteil der Studierenden bei gerade 13 Prozent. Damit liegt Brandenburg wieder unter dem Bundesdurchschnitt und diese Tendenz wird sich mit Hartz IV noch verstärken.
Verstärkt wird soziale Selektivität durch die Finanzierung des Studiums. Fast 90 Prozent der Studierenden in Brandenburg erhalten Zahlungen von den Eltern. Aber je niedriger die soziale Herkunftsgruppe, desto geringer ist der monatliche Zuschuss und desto kleiner ist der Anteil an den Gesamteinnahmen von Studierenden. So erhält ein Student aus der hohen sozialen Herkunftsgruppe 530 Euro im Monat, einer aus der sozial niedrigen Herkunftsgruppe lediglich 260 Euro. Daher sind solche Studierenden in erhöhtem Maße auf Arbeit parallel zum Studium angewiesen. Insgesamt müssen 55 Prozent der Studierenden nebenher jobben, um sich das Studium leisten zu können.
Besonders dramatisch ist die Lage auch für Frauen und für Studierende mit Kind. Liegt der Frauenanteil bei den Abiturienten noch bei 60 Prozent, sinkt er bis zur Promotion auf rund 20 Prozent. Eine ausreichende Kinderbetreuung während des Studiums ist ebenso wenig vorhanden wie besondere Fördermaßnahmen wie z.B. familienfreundliche Seminarzeiten.
Die große Anfrage und die Debatte im Landtag dazu findet ihr hier dokumentiert:














