Neuer Vorstoß: Regulierung von Praktika auf EU-Ebene
Angesichts der wachsenden Zahl von Praktikanten will das Europaparlament der Ausbeutung von Jugendlichen durch kostenlose Praktika einen Riegel vorschieben
<dgb-jugend> In einer Resolution forderten die Parlamentarier die EU-Kommission und den Ministerrat dazu auf, eine Europäische Qualitätscharta mit Mindestanforderungen für Praktika zu schaffen - darunter ein Grundgehalt zur Abdeckung der Lebenshaltungskosten des Praktikanten und eine zeitliche Begrenzung – ein Fortschritt, der nicht zuletzt dem europäischen PraktikantInnen-Netzwerk „Generation P“ zu verdanken ist, welches die DGB-Jugend mitbegründet hat und welches bereits im Jahr 2007 eine Petition für faire Praktika bei der EU eingereicht hat.
Die DGB-Jugend begrüßt ausdrücklich, dass das EU-Parlament für eine besseren Schutz von PraktikantInnen aktiv geworden ist und fordert die EU-Kommission auf, nun an dieser Stelle tätig zu werden. Auch unterstützt die DGB-Jugend ausdrücklich die Forderungen des EU-Parlaments.
Aktueller Report des EU-Parlaments; REPORT on promoting youth access to the labour market, strengthening trainee, internship and apprenticeship status (2009/2221(INI)):
„…fordert bessere und gesicherte Praktika; fordert die Kommission und den Rat auf, nach der Verpflichtung in der Mitteilung KOM (2007 angegeben) 0498 ", eine Initiative für ein europäisches Qualitäts-Charta für Praktika" vorzuschlagen, um den Lern-Wert von Praktika sicherzustellen und Ausbeutung zu vermeiden. Denn Praktika gehören zur Ausbildung und ersetzen keine regulären Arbeitsstellen.
Diese Mindeststandards sollten beinhalten
- genaue Beschreibung der Qualifikationen, welche im Praktikum erworben werden sollen, zeitliche Höchstdauer von Praktika, Mindest-Lohn für PraktikantInnen angelehnt an die Lebenshaltungskosten vor Ort, soziale Absicherung und eine Einbettung der Praktika in Bildung und Ausbildung.“
Außerdem fordert das EU-Parlament die EU-Kommission auf:
„Statistiken über Praktika in den einzelnen Mitgliedstaaten:- Anzahl der Praktika - Dauer der Praktika - Sozialleistungen für Praktikanten - Vergütungen für Praktikanten - Altersgruppen von Praktikanten und eine vergleichende Studie über die verschiedenen bestehenden Systeme in Bezug auf Praktika in den EU-Mitgliedstaaten zu erarbeiten.“
Hintergrund EU-Kommission:
Als Reaktion hat sich die EU-Kommission bereits im Jahr 2007 zum Thema Praktika geäußert und eine Mitteilung veröffentlicht, nach der sie die Beteiligung junger Menschen an Bildung, Beschäftigung und Gesellschaft fördern will. Die Praktika-Problematik ist in diesem Papier hervorgehoben: So hält die Kommission Praktika für wichtige Instrumente besonders für junge Menschen um Berufserfahrung zu sammeln – allerdings nur, wenn sie mit dem Ausbildungs- oder Studienplan verknüpft sind. Außerdem sollen Praktika mit geringem oder ohne Entgelt und begrenztem Weiterbildungswert vermieden werden.
Kommissar Vladimir Spidla, der für Beschäftigung, Soziales und Chancengerechtigkeit verantwortlich ist, im Jahr 2007: „Praktika können ein Türöffner zur Beschäftigung sein, aber junge Menschen, die sich von einem Praktikum zum nächsten hangeln, ohne Aussicht auf reguläre Arbeit, und das dann auch noch ohne bezahlt zu werden, das ist skandalös!“
Damals hatte die EU-Kommission verkündet, im Jahr 2008 eine Initiative für eine europäische Qualitätscharta für Praktika vorzuschlagen und den Druck auf die EU-Mitgliedstaaten auszuüben, um die Rahmenbedingungen für faire Praktika zu schaffen. Bisher ist seitens der EU-Kommission leider nichts weiter passiert.














